Zahnfleischbluten: Was wirklich dahintersteckt
Lesezeit in min:
4
Zahnfleischbluten beim Putzen? Warum es ein Warnsignal ist, was es mit Parodontitis zu tun hat und was hilft. Praxis Dr. Missy & Kotsaridis, Gaildorf.

Viele halten Zahnfleischbluten für eine Kleinigkeit oder für ein Zeichen, dass sie zu fest geputzt haben. Beides trifft meist nicht zu. Gesundes Zahnfleisch blutet auch bei kräftigem Putzen nicht.
Was die Blutung bedeutet
Blutendes Zahnfleisch ist entzündetes Zahnfleisch. Auslöser ist in aller Regel bakterieller Zahnbelag am Zahnfleischrand. Bleibt er dort liegen, reagiert der Körper mit einer Entzündung: Das Gewebe wird stärker durchblutet, schwillt an und blutet bei Berührung. Dieses Stadium heißt Gingivitis.
Eine Gingivitis ist vollständig umkehrbar. Wird der Belag konsequent entfernt, heilt das Zahnfleisch meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Warum Sie weiterputzen sollten
Viele putzen die blutende Stelle aus Sorge weniger, und das verschlimmert die Lage. Wo weniger geputzt wird, sammelt sich mehr Belag, die Entzündung nimmt zu. Richtig ist das Gegenteil: gründlich, aber sanft weiterputzen, besonders am Zahnfleischrand und in den Zwischenräumen.
Wann es mehr als eine Gingivitis ist
Bleibt die Entzündung über Monate bestehen, kann sie auf den Zahnhalteapparat übergreifen. Dann spricht man von einer Parodontitis. Sie ist nicht mehr von selbst umkehrbar, weil Knochen verloren geht. Hinweise darauf sind:
Zahnfleisch, das sich zurückzieht, Zähne wirken länger
anhaltender Mundgeruch oder schlechter Geschmack
Zahnfleisch, das sich vom Zahn ablöst, Taschen bilden sich
Zähne, die locker werden oder ihre Stellung verändern
Warten Sie damit nicht. Verlorener Kieferknochen kommt nicht von allein zurück.
Weitere Ursachen
Nicht jede Blutung kommt allein vom Belag. Rauchen verschleiert die Blutung sogar, weil es die Durchblutung drosselt, und Raucher haben oft schwerere Verläufe bei weniger sichtbaren Zeichen. Schwangerschaft und Pubertät machen das Zahnfleisch durch hormonelle Veränderungen empfindlicher. Bei Diabetes geht die Wechselwirkung in beide Richtungen: Schlecht eingestellter Blutzucker verschlimmert die Entzündung, und die Entzündung erschwert die Blutzuckereinstellung. Auch Medikamente spielen eine Rolle, denn Blutverdünner verstärken die Blutung, und manche Mittel lassen das Zahnfleisch wuchern. Überstehende Ränder von Füllungen oder Kronen bieten dem Belag eine Nische, die sich nicht sauber putzen lässt. Stress und Schlafmangel schwächen zusätzlich die körpereigene Abwehr.
Was bei der Pflege hilft
Putzen Sie zweimal täglich zwei Minuten und führen Sie die Borsten bewusst an den Zahnfleischrand. Eine Anleitung finden Sie unter Zähne putzen. Reinigen Sie täglich die Zwischenräume, denn dort beginnt die Entzündung fast immer; mehr dazu unter Zahnseide und Interdentalbürsten. Nutzen Sie weiche bis mittlere Borsten, harte Bürsten schädigen mehr, als sie reinigen. Das Rauchen aufzugeben ist die wirksamste einzelne Maßnahme für das Zahnfleisch.
Mundspülungen können vorübergehend unterstützen, ersetzen aber das mechanische Entfernen des Belags nicht.
Wann Sie zu uns kommen sollten
Bleibt die Blutung trotz sorgfältiger Reinigung länger als zwei Wochen bestehen, lassen Sie den Befund abklären. Wir messen die Zahnfleischtaschen, beurteilen den Knochen und entfernen Beläge auch dort, wo Sie mit der Bürste nicht hinkommen: in der professionellen Zahnreinigung.
Dr. Missy, Kotsaridis & Kollegen
SO ERREICHEN SIE UNS
ÖFFNUNGSZEITEN
Montag - Freitag: 07:00 - 19:00 Uhr
Samstag: Nach Vereinbarung
