Karies vorbeugen: Was wirklich schützt
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Wie Karies entsteht und welche vier Maßnahmen wirklich schützen – von Fluorid bis Zwischenmahlzeiten. Praxis Dr. Missy & Kotsaridis, Gaildorf.
Karies ist die häufigste chronische Erkrankung überhaupt – und zugleich eine der am besten vermeidbaren. Wer versteht, wie sie entsteht, erkennt schnell, welche Maßnahmen wirken und welche kaum etwas bringen.
Wie Karies entsteht
Bakterien im Zahnbelag verstoffwechseln Zucker und produzieren dabei Säure. Diese Säure löst Mineralien aus dem Zahnschmelz. Der Speichel neutralisiert sie und führt Mineralien zurück – dieser Reparaturvorgang braucht etwa 30 bis 60 Minuten.
Solange sich Entkalkung und Reparatur die Waage halten, bleibt der Zahn gesund. Kippt das Verhältnis dauerhaft, entsteht zuerst ein weißlicher Fleck, später ein Loch.
Die entscheidende Erkenntnis: Häufigkeit schlägt Menge
Ein Stück Kuchen zum Kaffee belastet die Zähne weniger als über den Tag verteiltes Naschen. Denn jeder einzelne Zuckerkontakt startet eine neue Säureattacke – und der Speichel kommt mit dem Reparieren nicht mehr hinterher.
Praktisch heißt das:
Fassen Sie Süßes zu einer Mahlzeit zusammen, statt es über den Tag zu verteilen.
Trinken Sie zwischendurch Wasser oder ungesüßten Tee, keine Saftschorlen oder Softdrinks.
Achten Sie auf versteckten Zucker in Ketchup, Fertigsaucen, Müsli, Joghurt und Hustenbonbons.
Denken Sie an Säure, nicht nur an Zucker: Zitrusfrüchte, Essig und Cola greifen den Schmelz direkt an.
Die vier wirksamen Stellschrauben
1. Fluorid
Fluorid ist die am besten belegte Einzelmaßnahme gegen Karies. Es macht den Schmelz widerstandsfähiger gegen Säure und unterstützt die Remineralisierung. Nutzen Sie eine Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid und spülen Sie nach dem Putzen nicht kräftig nach – sonst waschen Sie den Wirkstoff sofort wieder aus. Einmal wöchentlich ein Fluoridgel ergänzt den Schutz bei erhöhtem Risiko.
Bei Kindern richtet sich die Menge nach dem Alter, siehe Milchzähne pflegen.
2. Belag täglich entfernen
Ohne Belag keine Säure. Zweimal täglich zwei Minuten putzen, Technik unter Zähne putzen, und einmal täglich die Zwischenräume reinigen. Genau dort entsteht Karies bei Erwachsenen am häufigsten, siehe Zahnseide.
3. Zuckerkontakte begrenzen
Siehe oben – die Häufigkeit ist der Hebel. Zuckerfreie Kaugummis mit Xylit nach dem Essen regen den Speichelfluss an und verkürzen die Säurephase.
4. Regelmäßige Kontrolle und Reinigung
Karies zwischen den Zähnen sieht man von außen nicht. In der Kontrolluntersuchung wird sie früh entdeckt, in der professionellen Zahnreinigung wird der Belag dort entfernt, wo Sie nicht hinkommen.
Fissurenversiegelung
Die Kauflächen der Backenzähne haben tiefe Rillen, die sich mit der Zahnbürste kaum reinigen lassen. Eine Versiegelung mit dünnflüssigem Kunststoff verschließt sie und senkt das Kariesrisiko dort deutlich. Bei bleibenden Backenzähnen von Kindern und Jugendlichen ist sie eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.
Wenn der Speichel fehlt
Ein trockener Mund erhöht das Kariesrisiko erheblich, weil die natürliche Reparatur ausfällt. Häufige Ursachen sind Medikamente wie Blutdrucksenker und Antidepressiva, Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich oder zu wenig Trinken. Sprechen Sie uns an – hier sind engere Intervalle und höher dosiertes Fluorid sinnvoll.
Der weißliche Fleck vor dem Loch ist der beste Zeitpunkt für Vorsorge: In diesem Stadium lässt sich Karies noch aufhalten, ganz ohne Bohrer.
Dr. Missy, Kotsaridis & Kollegen
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